Rittmeister Lorenz Joseph Salvini von Sonnenthal, wie er sich nannte [1740-1804], stammte aus Rendena bei Trient. Mit der Teuerung von 1770/71 wird sein Name in der Ostschweiz immer ehrenvoll verbunden bleiben. Der Ausfall der nahegelegenen und auf dem Wasserwege leicht erreichbaren süddeutschen Korngebiete zwang Abt Beda, nach entfernteren Getreidelieferanten Ausschau zu halten. Selbstverständlich waren solche Transporte mit grossen Risiken und Kosten verbunden. Vielleicht brachten die Rorschacher Leinwandhäuser mit ihren italienischen Beziehungen das Kunststück fertig, im Süden Brotfrucht aufzutreiben? Tatsächlich gelang dies der «obern Bayerschen Schreibstube» [in der Gegend des Bellevue]. Die von Bayer schossen dem Abte nicht nur das nötige Geld vor, sie verfügten auch gleich über den richtigen Unterhändler: Buchhalter Lorenz Salvini reiste in ihrem Namen und Auftrag ins Venetianische, trieb Weizen und Roggen auf, erledigte alle Formalitäten und verfügte den Transport über die Alpen. Die ersten Fuhren über das Tirol langten an Weihnachten 1770, von der Rorschacher Bevölkerung sehnlichst erwartet, im Kornhaus an [Abb. 3]. Nach Bedas Tagebuch berichtete Salvini dem Abte am 30. Dezember über seine Einkäufe von 1300 Malter Weizen und 500 Malter Roggen, für welche Durchfuhrerlaubnis und teilweise Zollfreiheit mit grösster Mühe von Wien zu erhalten waren. Das Gotteshausmannsrecht [am 21. Oktober 1771] zu bekommen, fiel darauf Salvini wohl nicht schwer. Er heiratete 1781 M. Antonia Aloisia von Pillier [1748-1833], die Vertreterin einer seit dem 17. Jahrhundert im Leinwandhandel tätigen, mit den von Bayer [etwa seit 1670] und von Hoffmann [etwa seit 1690] verschwägerten Kaufmannsfamilie, die zeitweise im Kettenhaus wohnte. Sie schenkte ihm die Kinder Anton Gebhard [geb. 1783] und Anna Franziska [geb. 1785], über die weiter nichts bekannt ist.

Salvinihaus
Das von Lorenz Salvini 1790 erbaute Haus


1790 erbaute Lorenz Salvini das heutige Amtshaus [Ab. 2], das stattlichste und wohlproportionierteste der Rorschacher Bürgerhäuser aus dem 18. Jahrhundert. Im Sommer 1796 beherbergte Salvini mehrere deutsche Flüchtlinge in seinem grossen Hause. Nach seinem Hinschied 1804 – an den eine wappengeschmückte Grabtafel an der Südwand der Kolumbanskirche erinnert [Abb. 1] – kaufte Hofrat Carl Joseph von Albertis diesen Sitz und bestimmte ihn als Wohnhaus, nachdem er schon 1799 das südlich davon gelegene Haus, Mariabergstr. 19, als sein Geschäftshaus erworben hatte. Witwe Salvini starb 1833 zu Colmar im 85. Lebensjahre.

Salvini_Platte
Die Grabtafel von Lorenz Salvini an der Südwand der Pfarrkirche Rorschach

Wir erinnern uns, dass Glieder der Familie von Albertis aus Vanzone, der zweithintersten grössern Siedlung des Anzascatales, nach Rorschach ausgewandert sind. Aus der gleichen Gemeinde stammt die Familie Rancetti, genauer aus dem Dorfteil Roletto, wo sich noch heute die Casa Rancetti, der eigentliche Ursprungsort dieses einst vornehmen Geschlechts, befindet.

Salvini_Kornhaus
Das durch die Vermittlung von Lorenz Salvini beschaffte Korn wird mit stürmischem Jubel beim Kornhaus empfangen. [Irrtum der Redaktion der Monatschronik: Der Stich stellt den Empfang in der Hungersnot von 1816/17 dar (T.Krucker)]
Das vierte Kind des Carlo Bartolomeo de Alberti [1652-1718], Anna Maria, heiratete in zweiter Ehe einen Giuseppe Rancetti aus dem Dorf. Sie hatten zwei Töchter und zwei Söhne, von denen der eine, Alexius, nach Rorschach auswanderte und von 1755 bis 1785 zuerst in Rorschach und ab 1769 in Arbon, also während 30 Jahren, im Dienste der erfolgreichen Rorschacher Leinwandherren von Albertis stand. Er heiratete 1763, also in seiner Rorschacher Zeit, eine Gotteshausmännin, Catharina Bertschinger, von Straubenzell, und erhielt 1785 den Gotteshausmannsbrief zugesprochen. Von seinen teilweise früh verstorbenen sechs Kindern ist einzig Thaddäus für die Nachfolge von Bedeutung. Er erwarb um 1804, nachdem die äbtischen Gebiete im Kanton St. Gallen aufgegangen waren, das Bürgerrecht der Gemeinde Rorschacherberg. Nach einem Arboner Kaufprotokoll übernahm er im Jahre 1806 von einem Dr. Waldmann das «Simon Kellersche Häusle» in Arbon. Als Thaddäus‘ Sohn dürfen wir mit ziemlicher Sicherheit Franz Joseph Rancetti [1804-1875J annehmen, der sich 1837 mit Juliana Görig [1814-1878] vermählte. Der Ehe entsprossen zwei Kinder: Joseph Albert [1838 bis 1893] und Franziska [1839-1920]. Letztere starb ledig im Bürgerheim Rorschacherberg. Mit Joseph Albert, Lithograph in St. Gallen, verehelicht mit M. Christine Thaler von Neu St. Johann [1835-1908], die sechs Kinder gebar, setzte sich der ausgewanderte Stamm der Rancetti in st. gallischen und zürcherischen Landen bis heute fort.

Richard Grünberger,
Monatschronik Februar 1965

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